Im Dialog unterwegs zu einem leben­digen Hoch­schul­gebiet

Im Frühling fanden drei Roundtable-Veranstaltungen mit Vertretern der Quartiere sowie der Studierenden und Mitarbeitenden von USZ, UZH und ETH statt. Dabei waren unter anderem Grünräume, Durchwegungen und die Erschliessung des Hochschulgebiets Thema.

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Stadt, Kanton und Institutionen haben eine Serie Roundtable-Veranstaltungen unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Quartiere sowie der Studierenden und Mitarbeitenden von USZ, UZH und ETH organisiert. 

Mit dem Richtplanentscheid des Kantonsrats im März ist der Rahmen für die Entwicklung im Hochschulgebiet Zentrum abgesteckt. Die Institutionen haben ihre Bedürfnisse und Pläne angemeldet, die politischen Behörden haben die baulichen Spielräume festgelegt. Nun geht es darum, einen lebendigen Stadtteil zu schaffen: einen Stadtraum in hoher Aufenthalts- und architektonischer Qualität, der durchlässig und mit den Quartieren und mit der Stadt eng vernetzt ist. Dabei soll auch die Bevölkerung ihre Wünsche und Ideen einbringen können.

Die Stadt Zürich hat daher zusammen mit Kanton, USZ, UZH und ETH bisher drei Roundtable-Veranstaltungen organisiert. Eingeladen wurden Vertreterinnen und Vertreter aus den Quartieren Oberstrass, Unterstrass, Fluntern, Hottingen und Altstadt sowie zahlreiche Interessensgruppen und Einzelpersonen. Aber auch Mitarbeitenden- und Studierendenvertretungen der universitären Institutionen waren mit an Bord. So diskutierten jeweils gegen dreissig Leute in Kleingruppen und asnchliessend im Plenum. Fachleute von Kanton, Stadt und Institutionen hielten Impulsreferate. Moderiert wurden die Abende von den Stadträten André Odermatt und Filippo Leutenegger.

«Stadtraum und Vernetzung» war das Thema der ersten Veranstaltung: Der Austausch drehte sich vor allem um Grünräume, um Durchwegungen und darum, dass die Strassenräume in Zukunft neu definiert werden könnten. Dabei wurde klar,

  • dass Grün- und Freiräume viel weiter verstanden werden müssen als nur in der Form der geplanten Parks;
  • dass Durchwegungen für den Langsamverkehr innerhalb und in die Quartiere hinein eines der wichtigsten Anliegen ist: Das Hochschulgebiet soll kein abgeschlossener, von einer „unsichtbaren Mauer“ umgebener Distrikt werden.

«Ein lebendiges Quartier in hoher städtebaulicher Qualität» war das Thema des zweiten Abends. Zum Teil wurden Themen des ersten Abends vertieft, zum Teil neue Aspekte aufgegriffen. Zur «unsichtbaren Mauer» zwischen Quartier und Hochschulinstitutionen zum Beispiel wurde kritisch debattiert. Sehr deutlich kam auch zum Ausdruck, dass man sich während der langen Bauzeit von rund zwei Jahrzehnten Freiräume für temporäre Nutzungen wünscht. Eine Öffnung der Institutionen gegenüber den Quartieren wurde mehrfach als Notwendigkeit genannt: «Man redet immer von den umliegenden Quartieren», rief eine Quartiervertreterin in Erinnerung. «In Wirklichkeit aber ist das Hochschulgebiet ein Teil unserer Quartiere. Wir sind die Gastgeber.»

Die dritte Veranstaltung fand am 29. Mai zum Thema «Mobilität im künftigen Hochschulquartier Zürich Zentrum» statt. Gesprochen wurde dabei unter anderem über die Erschliessung des Hochschulgebiets für den motorisierten Individualverkehr, den öffentlichen Verkehr sowie für Fussgänger und Velofahrer. Gemäss dem im Dezember veröffentlichten Gesamtverkehrskonzept wird der Personenmehrverkehr im Endausbau rund 14 Prozent betragen, dieser kann durch punktuelle Massnahmen gut aufgefangen werden.

Die Möglichkeit zum Dialog – auch zwischen Quartierbewohnern und Nutzern – wurde von den Teilnehmenden sehr geschätzt. Zu spüren war unter anderem auch, dass ein Zusammenleben von Nutzenden und Nachbarn gewünscht wird. So seien beispielsweise die Erdgeschossnutzungen nicht auf die Bedürfnisse der Institutionen, sondern auch auf jene der Quartiere auszurichten (Gastronomie, Sport, Läden etc.).  Es wurde aber auch grundsätzliche Kritik am Projekt geübt. Die Festlegungen des Richtplans werden teilweise noch immer als bedrohlich wahrgenommen. Einige hielten daher die Diskussion der Roundtable-Themen für verfehlt, solange die Rahmenbedingungen, die der Richtplan vorgibt, nicht noch einmal überdenkt würden.

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Die Roundtable-Veranstaltungen wurden protokolliert. Somit können die Rückschlüsse aus dem Dialogprozess in die Überarbeitung der Gestaltungspläne sowie in das sogenannte Weissbuch einfliessen. Die Anliegen aus der ersten Roundtable-Veranstaltung konnten zudem bereits beim Echoraum im Rahmen des Stadtraumkonzepts platziert werden. Inwiefern diese dann auch berücksichtigt werden, liegt im Ermessen der drei Planerteams.

Eine Fortsetzung der Roundtable-Veranstaltungen steht zur Diskussion. «Ein vierter Roundtable nach dem Sommer könnte nützlich und interessant sein», wie Stadtrat Odermatt bereits anlässlich der zweiten Veranstaltung verlauten liess.