Mit Tram, Velo und zu Fuss ins Hoch­schul­quartier

Das kantonale Amt für Verkehr und das Tiefbauamt der Stadt Zürich haben sich dieses Jahr eingehend damit befasst, wie der zusätzliche Personenverkehr bewältigt werden soll.

Mit der Weiterentwicklung von USZ, UZH und ETH Zürich im Hochschulgebiet werden auch mehr Studierende, Dozierende und Forschende den Weg ins Zentrum finden. Wie soll dieser Personenmehrverkehr bewältigt werden? Das kantonale Amt für Verkehr und das Tiefbauamt der Stadt Zürich haben sich dieses Jahr eingehend damit befasst.

Die neuen Bauten für das Universitätsspital und für die Hochschulen werden unweigerlich Mehrverkehr erzeugen. Bereits im Masterplan 2014 wurde festgehalten, dass dieser Mehrverkehr mit dem öffentlichen Verkehr und mit Verbesserungsmassnahmen für den Fuss- und Veloverkehr bewältigt werden soll.

Heutiges und zukünftiges Verkehrsaufkommen

Seit der Verabschiedung des Masterplans im Jahr 2014 wurde die Planung für den Ausbau von USZ, UZH und ETH Zürich konkretisiert und verfeinert. Das zusätzliche Verkehrsaufkommen, das sich daraus ergibt, wurde im ersten Halbjahr 2016 genauer ermittelt. Dazu dienten unter anderem Angaben der Institutionen zu den aktuellen Personenzahlen sowie den künftig erwarteten. Desweitern haben Kanton und Stadt im April 2016 Verkehrszählungen im Hochschulgebiet und eine Online-Befragung unter den Angehörigen des Universitätsspitals und der Hochschulen durchführen lassen, um ein detailliertes Bild von deren Mobilitätsverhalten sowie dem derzeitigen Verkehrsaufkommen ins Gebiet zu erlangen. Im Vordergrund steht der Verkehr am Morgen, weil während des Semesters fast zeitgleich mit dem übrigen Verkehr insbesondere viele Studierende in das Hochschulgebiet strömen und deshalb das insgesamt grösste Verkehrsaufkommen während eines Werktages zu verzeichnen ist. Am Nachmittag und in den Abend hinein verteilt sich das studentische Verkehrsaufkommen über mehrere Stunden, so dass die Spitzenverkehrsbelastung geringer ist als am Morgen.

Heute reisen fast 70 Prozent der Studierenden und Angestellten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Hochschulgebiet. 20 Prozent kommen zu Fuss, wobei der Grossteil davon zuvor per Zug zum Hauptbahnhof oder Bahnhof Stadelhofen anreist (Kategorie Zug+Fuss in Abbildung unten). Wie die Verkehrszählungen und die Online-Umfrage zeigten, handelt es sich beim motorisierten Individualverkehr hauptsächlich um Durchreisende.

Für die Prognosen des zukünftigen Verkehrsaufkommens wurden die Ausbaupläne in Planungshorizonte (PH) eingeteilt. PH I bezeichnet den Zustand vor Inbetriebnahme der ersten grossen Neubauten von USZ und UZH (ca. im Jahr 2025). PH II umfasst den anschliessenden Zustand, vor Inbetriebnahme weiterer grösserer Neubauten der beiden Institutionen (ca. im Jahr 2035). PH III schliesslich umfasst alle vorgesehenen Ausbauten und bildet damit ungefähr das Jahr 2045 ab. Diese Ausbauten werden insgesamt voraussichtlich zu einem Mehrverkehr von 16 Prozent führen.

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Gezielte Massnahmen bringen Entlastung

Es sind eine Reihe von Massnahmen vorgesehen, um den erwarteten Mehrverkehr zu bewältigen. Die Nachfragesteigerung im öffentlichen Verkehr kann die nächsten 20 Jahre mit zusätzlichen Trams am Morgen sowie grösseren Tramkompositionen bewältigt werden. Zudem ist geplant, die heutige Tramhaltestelle Kantonsstrasse zugunsten einer neuen Haltestelle an der Kreuzung von Rämi- und Gloriastrasse aufzuheben. Dort sollen mit einer dreiteiligen Haltestellenanordnung die Verkehrsströme entflochten und die Anbindung der Universität mit zusätzlichem Halt der Tramlinie 6 verbessert werden. Zugleich wird die Haltestelle ETH/Universitätsspital entlastet. Die Haltestelle Platte bleibt erhalten, wird aber bergwärts verschoben, um dem neuen Haupteingang des USZ gerecht zu werden.

Für den Fussverkehr ist zur besseren Erschliessung des Gebiets aus Richtung Central eine «Polysteig» genannte Treppe von Seilergraben/Hirschengraben parallel zur Polybahn vorgesehen. Der Bau einer solchen Treppe beansprucht wenig Zeit und könnte dadurch schon in wenigen Jahren Entlastung bringen. Schliesslich ist ein Ausbau des Velonetzes gemäss dem Masterplan Velo der Stadt Zürich und der Bau zusätzlicher Abstellmöglichkeiten im Hochschulgebiet vorgesehen.

Auch die Institutionen können mit betrieblichen Massnahmen einen Beitrag leisten, um die Verkehrsspitzen zu dämpfen. Dazu gehören beispielsweise gestaffelte Unterrichtszeiten, die Förderung flexibler Arbeitszeiten und -orte oder die Aufteilung grosser Vorlesungen auf mehrere Hörsaalstandorte mit Videoübertragung.

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Die Untersuchungen haben gezeigt, dass das zusätzliche Verkehrsaufkommen bewältigt werden kann, wenn alle entworfenen Massnahmen zur Anwendung kommen. Mit einzelnen überlasteten Tramkursen am Morgen ist allerdings weiterhin zu rechnen.

Entfalten die betrieblichen Massnahmen nicht die ihnen zugedachte Wirkung, sind weitere Massnahmen zugunsten des Fussverkehrs notwendig. Dabei handelt es sich um Fahrsteige oder Rolltreppen auf Teilabschnitten des Weges ins Hochschulgebiet. Sie könnten den öffentlichen Verkehr entlasten, in erster Priorität ab Stadelhofen und in zweiter Priorität ab Hauptbahnhof/Central. So würden direkte und komfortable Zugänge entstehen, was die Anreise zu Fuss ins Hochschulgebiet gegebenenfalls deutlich attraktiver macht.