Grünräume und Durch­gängigkeit

Die Planung zur Weiterentwicklung des Hochschulgebiets Zürich Zentrum ist enorm komplex. Nicht nur wegen der Grösse und Finanzierbarkeit des Vorhabens, auch wegen der vielen verschiedenen Bedürfnisse, die es im Perimeter miteinander zu vereinbaren gilt.

 

 

Das Generationenprojekt ist eine Herausforderung, weil das Vorhaben unter laufendem (Spital-)Betrieb mit einer Umsetzungszeit über mehrere Jahrzehnte hinweg realisiert wird.

Bereits heute wird sehr spezifisch abgeklärt, wie der Mehrverkehr bewältigt oder die Energieversorgung gelöst werden können. Letztes Jahr veröffentlichte das Kantonale Amt für Raumentwicklung einen Bericht, über vertiefte Untersuchungen und mögliche Lösungsansätze zu den Themen Umwelt, Verkehr, Energie und Freiraum. Wenn grosse Um- und Neubauten in einem zentral und topografisch so anspruchsvoll gelegenen Gebiet geplant werden, stellt das auch an die Qualität der dazwischenliegenden Frei- und Grünräume und an die Verkehrserschliessung hohe Anforderungen. Sie spielen eine zentrale Rolle für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Gebiets und müssen immer im Gesamtzusammenhang betrachtet und die verschiedenen aufeinandertreffenden Interessen gegeneinander abgewogen werden.

Werfen wir einen Blick zurück: Das Hochschulgebiet entstand auf der ehemaligen barocken Schanze. Die historischen Bauten von Universität und ETH Zürich zeugen von einer einheitlich gedachten Gebietsentwicklung. Demgegenüber hat sich das nördliche Gebiet rund um die Sternwarte heterogener und aus stadträumlicher Sicht weniger erfreulich entwickelt. Ziel der aktuellen Planung ist deshalb, die heute vorhandenen Qualitäten zu stärken und, wo notwendig oder sinnvoll, die Raumordnung zu verbessern. Dies ist auch eine Chance für die Quartierentwicklung. So wird die Neue Sternwartstrasse als neues strukturierendes Verbindungselement dazu beitragen, dass die Wege wesentlich besser miteinander verknüpft sind und der nördliche Teil des Gebiets zum Verweilen einlädt. Der neue Haupteingang des Universitätsspitals und der Neubau auf der Wässerwies kommen an die Gloriastrasse zu liegen. Generell werden im Hochschulgebiet mehr Wege, Verbindungsachsen und Durchgänge angestrebt, so dass das Gebiet auch für Anrainer durchlässiger und insbesondere zu Fuss besser zugänglich wird. Der künftig grössere Spital-/Campuspark nimmt als Herzstück des Hochschulgebiets eine wichtige Funktion ein. Der neue Spitalbau und die Umgestaltung des Parks werden darum gemeinsam entwickelt. Dieses Vorgehen ist bezeichnend für die gesamte Gebietsplanung, bei der eine sorgfältige Abstimmung zwischen Gebäudearchitektur und der sie umgebenden Grün- und Freiräume im Zentrum steht.

Neue Begegnungsorte schaffen

Die Erneuerung des Hochschulgebiets wird schrittweise in mehreren Etappen geschehen. Während des langen Transformationsprozesses soll die Öffentlichkeit die in den einzelnen Bauetappen vorübergehend frei werdenden Plätze und Aussenräume nutzen können zum Beispiel als Picknick- oder Spielplätze. Dazu ist ein Realisierungsprogramm in Arbeit, das (temporäre) Freiräume in Abhängigkeit von der Etappierung und vom Bauverlauf aufzeigt. Denn das Hochschulgebiet wird während der Arbeiten nicht nur Baustelle, sondern auch Begegnungsort sein und bleiben.

Eine besondere Herausforderung bei der Planung stellt die Abwicklung des Verkehrs ins Hochschulgebiet und innerhalb des Hochschulgebiets dar. Viele Fragen sind diesbezüglich noch nicht abschliessend beantwortet. Die Untersuchungen des Kantonalen Amts für Raumentwicklung, unter anderem zusammen mit den Verkehrsbetrieben Zürich, haben erste wichtige Anhaltspunkte geliefert. Das Strassennetz im Perimeter ist heute ausgelastet, ein Ausbau nicht möglich und auch nicht angestrebt. Das mit der Weiterentwicklung einhergehende Verkehrswachstum wird darum möglichst mit dem Ausbau des Angebots im öffentlichen Verkehr und mit Verbesserungen für Velofahrer und Fussgänger aufgefangen. Wie dies im Detail realisiert wird, steht heute noch nicht fest. Es sind viele verschiedene Varianten und Kombinationen für Fussgänger, Velofahrer und Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln denkbar, welche nun von Arbeitsgruppen und Experten auf ihre Machbarkeit überprüft werden. Die Lösungsansätze sind vielfältig, sie reichen von breiteren Trottoirs über mehr Fussgängerübergänge und Velorouten entlang der Rämi- und Gloriastrasse zum Bellevue und Central bis zu einer neuen breiten Treppe und mechanischen Transporthilfen oder anderen innovativen Lösungen, um den Aufstieg ins Hochschulgebiet zu erleichtern. Auch die Institutionen prüfen zurzeit, inwieweit sie mit Anpassungen ihres Lehrangebots zu einer besseren Verteilung der Verkehrsströme beitragen können. Die weitere Diskussion und Untersuchung der Verkehrsfragen werden in diesem Jahr nicht nur in der Projektarbeit besondere Beachtung finden, sondern sollen auch an den weiteren Veranstaltungen zum Hochschulgebiet stärker im Fokus stehen.