Forschen mit den Nachbarn

Die unmittelbare Nachbarschaft vereinfacht und befruchtet die enge Zusammenarbeit der Institutionen wie dieses Beispiel zeigt.

 

Artikel 3_FAVORIT_IMG.jpgEnge Zusammenarbeit (v.l.): Christian Stoeck vom Institut für Biomedizinische Technik (UZH/ETH Zürich) und Maximilian Emmert vom UniversitätsSpital Zürich.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

Die räumliche Nähe von Universitätsspital, Universität und ETH Zürich ist ein grosser Vorteil für den Forschungsplatz Zürich. Der Physiker Christian Stoeck und der Herzchirurg Maximilian Emmert profitieren in ihrer Forschungszusammenarbeit fast täglich davon.

Fünf Minuten benötigt Christian Stoeck, um von seinem Arbeitsplatz am Institut für Biomedizinische Technik der Universität und der ETH Zürich ins benachbarte UniversitätsSpital Zürich (USZ) zu gelangen. Diese Nähe möchte er nicht missen. An manchen Tagen legt der Physiker den Weg mehrmals täglich zurück – um Patientinnen und Patienten mittels Magnetresonanztomografie (MRI) zu untersuchen oder den Herzchirurgen Maximilian Emmert zu treffen. Der Herzchirurg und der Physiker arbeiten in mehreren Projekten zusammen, die auch weitere Forschende von Universität, ETH und Universitätsspital einbeziehen. Begonnen hat ihre Zusammenarbeit mit einem von der Initiative «Hochschulmedizin Zürich» unterstützten Forschungsprojekt. Darin untersuchen sie, wie man mittels bildgebender Verfahren die Struktur und den Stoffwechsel des Herzens abbilden kann.

Studien besser planbar

Christian Stoeck arbeitet am technischen Teil, Maximilian Emmert am klinischen Teil der Studie. Dass sich ihre Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe befinden, ist für beide ein immenser Vorteil. So können sie beispielsweise zwei MRI-Scanner gemeinsam nutzen. Vor allem aber erleichtert die räumliche Nähe die Zusammenarbeit im Projekt. «Im persönlichen Kontakt lernt man sich besser kennen als per E-Mail oder Telefon und kann Probleme viel einfacher lösen», sagt Maximilian Emmert.

Die gegenseitigen Besuche an der ETH und am USZ erlauben Stoeck und Emmert einen Einblick in die Arbeitswelt des Projektpartners. Das stärkt das Vertrauen und das Verständnis für die Sichtweise des anderen. Der Herzchirurg sieht, was technisch machbar ist und der Physiker, was sich klinisch umsetzen lässt. «Mir wurde am USZ klar, dass ein 80-jähriger Herzinfarktpatient nicht wie ein gesunder Mensch 20 Sekunden die Luft anhalten kann. So konnte ich das Studiendesign entsprechend anpassen», erzählt Stoeck. Der Einblick vor Ort erlaubt es, Studien realitätsnäher zu planen. Entsprechend effizienter lassen sie sich anschliessend durchführen.

Befinden sich Projektpartner in grösserer Distanz, fällt dieser Vorteil weg. «Schon eine Zusammenarbeit mit Forschenden in Schlieren oder auf dem Hönggerberg ist aufwändiger», sagt Christian Stoeck: «Mehrmals täglich kurz ans USZ zu fahren, wäre mir bei einem längeren Anfahrtsweg zeitlich nicht möglich. Ohne die unmittelbare Nachbarschaft von ETH und Universitätsspital wäre unsere Forschungszusammenarbeit wohl nicht zustande gekommen.»

Patienten profitieren

Mit Universität, ETH und Universitätsspital in direkter Nachbarschaft ist der Forschungsplatz Zürich in Europa einzigartig, sind sich Christian Stoeck und Maximilian Emmert einig. Die hervorragende Infrastruktur der Hochschulen und ihre räumliche Nähe seien zwei wichtige Erfolgsfaktoren. Kein Zufall also, dass das 1971 gemeinsam von beiden Zürcher Hochschulen gegründete Institut für Biomedizinische Technik weltweit führend ist, wenn es darum geht, Herz und Blutgefässe mit bildgebenden Verfahren darzustellen.

«Zürich spielt eine Vorreiterrolle in der so genannten Translation, also der Übersetzung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis», sagt Maximilian Emmert. Somit profitieren vor allem auch die Patientinnen und Patienten von der räumlichen Nähe der Hochschulen. Denn je effizienter Forschungsprojekte ablaufen, desto schneller sind auch neue Diagnosemethoden und Therapien verfügbar.

Für Stoeck und Emmert hat ihre unmittelbare Nachbarschaft im Hochschulquartier noch einen weiteren Vorteil. Durch den persönlichen Kontakt kennen sie die laufenden Studien und Experimente des Projektpartners. «So ergibt es sich oft natürlicherweise, dass die Zusammenarbeit weiter ausgebaut wird. Man sieht, wo man sich gegenseitig mit der eigenen Expertise unterstützen kann», sagt Maximilian Emmert. Und ist froh, dafür nur über die Strasse gehen zu müssen.